Ein Bestand aus 491 mittelalterlichen Silbermünzen aus der Sammlung der Städtischen Museen Hanau ist zur wissenschaftlichen Untersuchung und Digitalisierung an das Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin übergeben worden. Die Bearbeitung soll den Fund genauer datieren und seine historische Einordnung verbessern. Die digitalisierten Aufnahmen sollen voraussichtlich 2027 online zugänglich sein.
Fund und frühe Überlieferung
Der als Langenselbolder Münzschatz bekannte Fund besteht aus einem kleinen Keramiktöpfchen, das nach heutiger Einschätzung um das Jahr 1120 verborgen wurde. Entdeckt wurde es im Juli 1958 beim Ausheben eines Kabelgrabens auf dem Marktplatz von Langenselbold.
Ursprünglich wurden die Münzen gesichtet und geprüft; ein Teil gelangte in die Stadtkasse und später in die Städtischen Museen Hanau. Ein unbekannter Anteil des Funds kam in private Hände. Über den Fund berichtete Wolfgang Heß 1960 in den Hanauer Geschichtsblättern. Für die Sicherung und wissenschaftliche Bearbeitung zeichnete sich der damalige Kulturamtsleiter und Bodendenkmalpfleger Dr. Karl Dielmann verantwortlich.
Bestand und historische Einordnung
Bei den Stücken handelt es sich überwiegend um Pfennige, Denare, die überwiegend in der königlichen beziehungsweise erzbischöflichen Münzstätte des Erzbistums Mainz geprägt wurden. Vertreten sind Münzmeister oder Prägungen unter den Herrschaften Heinrich IV und Heinrich V sowie unter den Erzbischöfen Ruthard und Adalbert I. Diese Zusammensetzung liefert Hinweise auf regionale Zahlungsströme und politische Beziehungen des frühen 12. Jahrhunderts.
Das Heimatmuseum Langenselbold zeigt seit den 1980er Jahren Repliken des Münzfundes in seiner Dauerausstellung. Der örtliche Geschichtsverein verfolgt die aktuellen Forschungen mit Interesse.
Forschung, Digitalisierung und Ausblick
Neue methodische Ansätze in der Mittelalter-Numismatik machen eine erweiterte wissenschaftliche Bearbeitung des Schatzes möglich. Für die Untersuchung und die digitale Erfassung der 491 Münzen sind Dr. Patrick Breternitz und Arthur Hampel vom Münzkabinett der Staatlichen Museen Berlin zuständig. Bei der Übergabe waren Dr. Markus Häfner, Leiter der Städtischen Museen Hanau, und Sammlungsleiterin Beate Alice Hofmann anwesend.
Oberbürgermeister Claus Kaminsky würdigte die Zusammenarbeit und betonte die Bedeutung der Bestände in städtischen Depots für Forschungskreise. Dr. Markus Häfner bedankte sich bei den Staatlichen Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz für die Übernahme der Bearbeitung und kündigte an, dass die erarbeiteten Daten und Fotografien voraussichtlich im Jahr 2027 online zur Verfügung stehen sollen.
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